Verlagsgeschichte

Konrad Bartholomäus Pfeiffer

 

Als der Hersbrucker Lehrerssohn Konrad Bartholomäus Pfeiffer als gelernter Schriftsetzer und Lithograph 1848 in gemieteten Räumen in der Kirchgasse eine kleine Druckerei aufmachte, wollte er von Anfang an nicht nur Druckaufträge ausführen, sondern auch gleich ein Lokalblatt herausgeben. Zwar war die Revolution, die er mit heißem Herzen ersehnt hatte, stecken geblieben. Aber Unterwürfigkeit, wie noch in seiner zweiten „unterthänigst gehorsamsten Bitte“ um eine Buchdruckerei-Konzession im Jahr zuvor, brauchte er nun nicht mehr zu heucheln.

 

Die Zulassung galt für ein Amts- und Anzeigenblatt, nicht für Nachrichten. Aber in Eigenanzeigen warb Konrad Pfeiffer für revolutionäre Bücher, wie „Die Grundrechte des deutschen Volkes“ oder „Der Goldfund in Kalifornien – vom demokratischen Standpunkte betrachtet“, das später vom kgl. bayerischen Kreis- und Stadtgericht Nürnberg verboten wurde. Er nahm es in Kauf, dass er als einer der missliebigen Hersbrucker Demokraten sowohl beim Landrichter (Landrat und Richter in einer Person) als auch beim evangelischen Dekan als „Demagoge“ – so nannten die königstreuen Konservativen die gesamtdeutsch denkenden Demokraten – in Ungnade fiel. Aber sein Wochenblatt der Stadt Hersbruck und Umgebung gedieh. Schon 1859 ging er zum wöchentlich zweimaligen Erscheinen über.

 

Ab 1863 erweiterte er es im vergrößerten Format zum Hersbruck-Laufer Wochenblatt. (Erst 44 Jahre später erschien in Lauf eine eigene Zeitung.) Mit der Vergrößerung des Formates tauchten im Wochenblatt die ersten Nachrichten auf – unterhalb der Amtlichen Bekanntmachungen in kleiner Schrift, so, als ob sie sich verstecken müssten.

 

Mit dem Kauf des Hauses Nürnberger Straße 7 schuf Konrad Pfeiffer 1873 die Voraussetzung für die Weiterentwicklung seines Unternehmens. Noch heute ist es – inzwischen mehrfach umgebaut und erweitert – Sitz des Pfeiffer Verlags.

 

Das änderte sich zwei Jahrzehnte später, nachdem Konrad Pfeiffers Sohn Karl1885 das Geschäft übernommen hatte. Er hatte es leichter als sein Vater: keine Pressezensur mehr, aber mächtiger technischer Fortschritt.

 

Karl Pfeiffer schaffte eine der ersten Schnellpressen mit Gasmotor an und später eine der soeben erfundenen Setzmaschinen. Sie machten eine Erweiterung des Inhalts und eine Steigerung der Auflage möglich. Jetzt erschienen Nachrichten, die ein Korrespondent handschriftlich aus Ber¬lin schickte, auf der ersten Seite, dann Berichte aus Hersbruck und Meldungen aus dem Umland, die mit Zug oder Postkutsche kamen. Die Amtlichen Bekanntmachungen, die zuvor die besten Plätze beansprucht hatten, rückten nach hinten.

 

Umfang und Qualität der Berichterstattung nahmen zu, als Karl Pfeiffers Sohn Georgnach dem ersten Weltkrieg und nach seiner Ausbildung in einer Münchner Redaktion die Leitung übernahm. Den überörtlichen Lesestoff bezog er aus München.

 

Durch immer häufigeres Erscheinen mauserte sich das Wochenblatt bis 1925 zur Tageszeitung und das schlug sich nun auch im Titel nieder: Hersbrucker Zeitung.

 

In dem immer rauer werdenden politischen Klima der Zwanzigerjahre hatte es Georg Pfeiffer viel schwerer als sein Vater. Je gehässiger die Parteien in der Weimarer Republik miteinander umgingen, desto öfter geriet ein um größtmögliche Objektivität bemühter Zeitungsmann wie er zwischen die Fronten. Er bekam immer wieder mit allen Seiten Ärger und manchmal Drohungen von fanatischen Nationalsozialisten, die massivste per Telefon von ihrem Gauleiter Julius Streicher.

 

Nach Hitlers Machtergreifung war das Material, das aus München kam, durchgehend von der NS-Propaganda geprägt. Trotzdem schwebte immer das Damoklesschwert der Übernahme durch die Nürnberger Gauzeitung über den Heimatzeitungen.

 

Die Schriftleiter (so nannte man sie nun statt Redakteure) Ludwig Winter und Emil Leis, die Georg Pfeiffernacheinander engagierte, lavierten das Redaktionsschiff durch die Klippen der vom Goebbelsschen Propagandaministerium vorgegebenen „Sprachregelungen“ bis März 1943.

 

Da musste die HZ „aus kriegswirtschaftlichen Gründen“ ihr Erscheinen einstellen. Die Leser bekamen nun zu ihrem Ärger das „Fränkische Heimatblatt“, eine Nebenausgabe der Nürnberger NS-Zeitung, deren Berichterstattung der evangelische Dekan Hans Monninger in seinem Kriegstagebuch als ekelhaft bezeichnete.

 

Erst sechs Jahre später, im Herbst 1949, durften Zeitungen, die im Dritten Reich noch existiert hatten, wieder erscheinen. In der Überzeugung, dass eine Lokalzeitung allein auf sich gestellt den gestiegenen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden könne, gründete Georg Pfeifferzusammen mit Kollegen eine Genossenschaft mit einer Zentralredaktion, die den beteiligten Verlagen den allgemeinen Teil der Zeitung lieferte.

 

Sein Sohn Eckhardt Pfeiffer fungierte Mitte der 50er Jahre als deren Geschäftsführer, ehe er ab 1957 die Hersbrucker Lokalredaktion und sein Bruder Hannsgörg die Druckerei übernahmen.

 

Eine zukunftsweisende Lösung brachte schließlich die von NN-Verleger Bruno Schnell konzipierte Interessengemeinschaft mittelfränkischer Heimatzeitungen mit den Nürnberger Nachrichten: die enge Verbindung der in ihrem Bereich verwurzelten Heimatzeitung mit der umfassend informierenden Regionalzeitung, wobei die Heimatzeitung im lokalen Bereich publizistisch und wirtschaftlich selbstständig bleibt.

 

In den 70er und 80er Jahren krempelte dann eine technische Revolution das Druckgewerbe und die Zeitungsherstellung stärker um als alle vorhergehenden Veränderungen in den 500 Jahren seit Gutenbergs Erfindung der beweglichen Lettern: der Computer verdrängte nicht nur die Schreibmaschine aus der Redaktion, sondern auch den Bleisatz aus dem Druckbereich.

 

Inzwischen hat mit Ursula Pfeifferdie fünfte Generation der Familie die Leitung des Unternehmens übernommen. Sie setzt die Tradition des Hauses fort, in dem die Herausgeber nie nur Drucker oder Kaufleute waren, sondern sich stets auch für die inhaltliche Gestaltung des Blattes verantwortlich gefühlt und an ihr mitgearbeitet haben.

 

Die Pressefreiheit, um welche frühere Generationen von Zeitungsleuten hart und oft vergeblich gerungen haben, ist heute eine Selbstverständlichkeit. Die HZ-Redaktion will keine Politik machen, aber die Auswirkungen der Kommunalpolitik auf den Alltag der Bürger vermitteln. Ihr Ehrgeiz ist es, das Leben im Hersbrucker Land so zutreffend und lebendig wie möglich wiederzugeben.